Das Mirimiri der Tohungas, der Schamanen Neuseelands - von Dr. Ingfried Hobert
In den weiten Ebenen Neuseelands hat sich fernab vom Rest der Welt ein eigenständisches Medizinwissen entwickelt. Jede einzelne Region Neuseelands birgt eine eigene Magie und Mystik in sich, die sich in einer ganz besonders fröhlichen Lebensweise und Weisheit ihrer ursprünglichen Bewohner widerspiegelt.
Rongoā Rakau, die Medizin der Maori wird nach alter Tikangu Tradition von Tohunga Puna Oras, den traditionellen Heilern der Maoris ausgeübt. Sie umfasst Mirimiri ( Feinstoffliche Reinigungs-massagen) Rongoa (Kräutermittel) und die ehrenvolle Kunst der „Spirituellen Medizin“ mittels Gebetsritualen (Karakia) die Mana, die allumfassende Heilkraft wecken und stärken sollen.
Waimatao Tuora-Morgan ist eine Maori. Ihre Vorfahren von Vaters Seite waren bedeutende Häuptlinge, Seher und Tohungas (Schamanen). Auf der Seite der Mutter waren viele Matakite (besonders hoch entwickelte Schamanen). Auch sie wurde zu einer Matakite ausgebildet. Bei ihrer Geburt gab es bereits Zeichen und Hinweise auf ihre besonderen Fähigkeiten, denn sie wurde mit einer Membrane über den ganzen Körper geboren. Schon als Kind konnte sie sehen und die Absichten anderer Menschen erkennen. Diese Gabe bescherte ihr eine Kindheit, die nicht immer einfach war, da ihre Gaben manchen Menschen Angst machten. Andere kamen zu ihr, um Informationen und Hilfe zu erbitten. Im Verständnis der Tohungas ist jede Störung der Gesundheit die Auswirkung von gestauter bzw. blockierter Lebensenergie (Mana) die eine Fehlprogrammierung im Zellgedächnis ausgelöst hat. Ziel der Behandlung ist eine Entstauung und Lösung der Blockade, damit Lebensenergie wieder frei fließen kann. Waimatao hat diese hohe Kunst der spirituellen Heilung erlernt.
Mirimiri- die feinstoffliche Reinigungsmassage
Atarangi ist 48 Jahre. Er leidet seit einem Armbruch vor 2 Jahren an weiterhin bestehenden starken Armschmmerzen, die vor allem bei feuchtem Wetter unerträglich sind. Er besucht Waimatao um sich von ihr ( behandeln zu lassen. Ein Kai-wahina ( Assistent des Tohunga) geleitet ihn in eine Hütte und weist ihn an sich seines Hemdes zu entledigen und sich auf eine Holzliege zu legen. Während der Kai-wahina Ocker anmischt, beginnt Waimatao, den Arm sanft zu massieren. Dann wird er mit Ocker bestrichen während sie in zunehmende Trance versinkend Gebetslieder singt, die den Körper reinigen sollen und das gestörte Gleichgewicht wieder herstellen sollen. Während sie Mirimiri, die traditionelle Reinigungsmassage durchführt, arbeitet sie mit der Vision der drei Lichtwesen. Dabei geht es in der Heilung darum mit Hilfe der Lichtwesen das Niveau des Bewusstseins des Mauiui ( Hilfesuchenden) auf das Niveau des göttlichen weißen Lichts anzuheben. Wenn dieser Zustand eintritt, verschwinden alle Konditionierungen des Geistes, die den Körper auf Krankheit programmieren. Es sind die „drei Körbe des Wissens“, mit denen sie arbeitet: die Erdmedizin für den Körper, die Medizin für die Emotion und den Intellekt, sowie die Medizin für das spirituelle Selbst. Mit dem Ritual der Gebete und des Bestreichens des Körpers mit Ocker wird der physische Körper ebenso wie der mentale und der Emotionalkörper in gleicher Weise harmonisiert.Das Ritual dauert 45 Minuten. Als der Patient aufsteht, kann er seinen Arm frei bewegen und schildert für den Augenblick keine Schmerzen. Bei einem Gespräch 14 Tage später versichert er, seitdem keinerlei Schmerzen mehr gehabt zu haben.
Muru, ein 14 jähriger Schüler, leidet unter Kopfschmerzen und sucht Waimatao einmal die Woche zu einer Heilungszeremonie auf. Dabei wird er jedes Mal im Gesicht mit Ocker und Erde bemalt während Waimatao Lieder singt und mit Gebeten sein Mana stärkt. Die heilenden Gebete, so berichtet er, würden ihm helfen seine Schmerzen von Woche zu Woche besser ertragen zu können. Beim Besuch einer solchen Heilzeremonie ist der Raum spürbar erfüllt von einer angenehmen energiegeladenen Schwingung.
Fazit:
Die durch den ( Heilerde) ausgelöste lokale Wärmestauung soll auf körperlicher Ebene zusammen mit der Massage den Energiestoffwechsel anregen. Die Gesänge und Gebete, die die Reinigungsmassage begleiten, haben die Funktion, den Energiekörper zu heilen, indem sie energetische Blockaden lösen und dabei die durch das Trauma ausgelöste pathologische „Zellerinnerung“ ( Blockade) löschen und auf den vormals gesunden Zustand „reprogrammieren“. Suggestives Heilen ist somit das Einpflanzen starker Gedankenformen in das niedere Selbst des Empfängers. Die Wirksamkeit ist abhängig von der Reinheit und der überlegenen Geistigkeit des aussendenden Schamanen, insbesondere aber seiner Vitalkraft. Von großer Wichtigkeit ist sodann die Bereitschaft des niederen Selbst des Empfängers, diese Gedankenformen und Energien aufzunehmen.
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