Die kreolische Volksheilkunde der Seychellen - von Dr. Ingfried Hobert
Nordöstlich von Madagaskar liegen die Seychellen. Das sind 115 Granit- und Koralleninseln die wie glänzende Edelsteine, von traumhaften weißpulvirgen Stränden eingefasst und vom Blau des Stillen Ozeans umrundet sind. Rund drei Breitengrade südlich des Äquators ziehen sie sich wie Perlenketten fast bis zur ostafrikanischen Küste, von wo sie vor Millionen von Jahren abgetrennt wurden.
Seitdem liegen sie weitestgehend unberührt und kaum erreichbar im Indischen Ozean. So konnten sie eine einzigartige Tier-und Pflanzenwelt entwickeln, die weltweit ihres Gleichen sucht. Bis heute hat sich wenig geändert. Die Inseln wurden erst im 17. Jahrhundert besiedelt und bis heute leben die recht entspannten Einwohner, die Seychellois, genauso sonnig und unbelastet wie ihre tropische Heimat in Harmonie mit der Natur.
Ihre Siedlungen sind umgeben von einer üppigen tropischen Vegetation, in der neben den Riesenlandschildkröten unzählige Tier-, Pflanzen und vor allem Heilpflanzenarten überlebt haben, die anderswo längst untergegangen sind. Die üppige Vielfalt der Natur ist auf den Seychellen eine Schatztruhe voll mit hochpotenten Medizinpflanzen.
Heilpflanzen wachsen überall, an Wegrändern, in der Nähe von Häusern, vereinzelt sieht man sie auch in Blechdosen als Hausapotheke im Garten stehen.
Während Großteile der Bevölkerung der Seychellen heute der pharmazeutischenn Industrie des Westens den Vorrang geben, gibt es inzwischen eine wachsende Zahl von Menschen die sich wieder der alten Volksheilkunde zuwenden. Diese speist sich aus afrikanischen, indischen und asiatischen Kulturelementen. Besonders bilden jedoch west – und osttafrikanische Einflüsse den Grundstock der alten kreolischen Volksheilkunde.
Der „gute Mann des Waldes“ und seine Gris Gris
Träger des alten Wissens ist der „Bon-Homme-du-bois“ ( „der gute Mann des Waldes“)
Er verfügt über das Wissen um die Heilpflanzen und wendet sie in heilender Weise an - magische Praktiken und „Liebeszauber“ ebenfalls mit eingeschlossen. Manchmal werfen die Heiler Hühnerfedern, um Aufschluss über Krankheiten und Ursachen zu erhalten oder sie stellen heilende Amulette ( Gris Gris) her, um böse Zauber abzuhalten und gute Kräfte anzuziehen.
Die klassischen Gris-Gris (Glücksbringer/ Talismane) haben eine lange nicht nur auf Afrika und die Inseln beschränkte Tradition, und wer eines besitzt, kann sich glücklich schätzen: Kaum etwas verleiht nach Meinung der Einheimischen mehr Mut und Stärke als so ein mit kraftvoller Energie aufgeladener und mit magischen Kräutern und Gegenständen gefüllter Amulettbeutel. Ein Gris-Gris muss jedoch von einem „Weisen des Waldes“ hergestellt werden, denn nur er verfügt über das notwendige überlieferte „magische Wissen“
Genauso verhält es sich mit verschiedenen rituellen Handlungen, wie Handauflegen, Blicke, Gesänge und Tänze, deren suggestive Botschaften in der Lage sind, das Vertrauen des Patienten in den Heilungsprozeß ebenso zu stärken wie auch seinen Glauben an den positiven Ausgang seiner anstehenden Probleme und die Zuversicht und Gewissheit, das das Beste noch kommt…
Von großer Wichtigkeit ist dabei die Bereitschaft des Empfängers, diese Gedankenformen bzw. Suggestionen aufzunehmen. Dazu bedarf es meist eines physischen Stimulans, z.b. in der Form eines plötzlichen Schreis, dessen schockauslösende Wirkung zu einer überwältigenden Vitalkraftentladung mit großem Heileffekt führt.
 (Nervenkrankheiten) Bois merle (Blutreinigung) Cascavele (Tuberkulose) Magasave (Wechseljahrsbeschwerden), Neem ( Rheuma), Citronelle ( Fieber), Grand Basilique
(Magenkrämpfe), Gros Bombe (Husten), Zirofle (Zahnschmerzen) Bois joli coeur (Blutdruck), Bois Poivre (Tonsillitis), Roucou (Hämorrhoiden), Reglisse (Arthritis) u.v.m.
Aphrodisiaka auf den Seychellen
Pflanzen die zu einer erotischen Stimulierung führen, gehören für Gesunde wie für Kranke wie Luft und Nahrung zum täglichen Leben. Die sensibel wahrgenommene Ähnlichkeit vieler Pflanzen mit männlichen oder weiblichen Geschlechtsteilen spielt bei der Auswahl eine wichtige Rolle. Die phallisch dem Boden zustrebenden Luftwurzeln der Schraubenpinie oder
Vacoa gelten z.b. als kräftiges Aphrotisiakum ebenso wie der harte Kern der Doppelkokosnuß „Coco de mer“. Auch viele Meerestiere, wie die Tec Tec Muscheln, die Bernique oder die Stachelschnecke stehen im Ruf aphrodisierend zu wirken.
Besondere Bedeutung kommt wie auch in anderen Kulturen der Banane zu.
Wird z.b. ein junger Mann von seiner Angebeteten verschmäht, so setzt er sich früh morgens unter einen Bananenbaum und wartet ab, bis sich das Keimblatt, welches einem Penis gleicht, entfaltet. Die Flüssigkeit, die aus dem Blatt tropft, muß er auffangen, mit Asche vermischen, den Brei in Papier wickeln und bei sich tragen bzw. der Verehrten zustecken. So wird seine Liebe erhört werden, denn die symbolische Ejakulation des Bananenblattes überträgt sich auf den Träger der Amulettes.
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